Oper für alle

Drei musikalische Edelsteine in der Lütticher Oper

Vom 19. bis zum 27. Oktober setzt die Opéra Royal de Wallonie drei Intermezzi auf den Spielplan, die in Belgien noch nie aufgeführt worden sind. Eine originelle und gewagte Entscheidung des neuen Direktors Stefano Mazzonis di Pralafera, der mit diesen drei Stücken auch seine erste Inszenierung für das Lütticher Opernhaus vorstellt. Eine Herausforderung auch für den Bariton Alberto Rinaldi, der in allen drei Werken die Hauptrolle singt. Die drei kurzen und unterhaltsamen Stücke sind eine gute Gelegenheit, die Oper (wieder) zu entdecken. Ein Gespräch mit Stefano Mazzonis di Pralafera.

Le 15e jour du mois : Warum ist es so etwas Einzigartiges, drei Intermezzi an einem Abend zu spielen ?

Stefano Mazzonis di Pralafera : Intermezzi wurden zwischen den Akten von ernsthaften Opern gespielt  und bestanden selbst aus mehreren Teilen: in jeder Pause kam ein Teil des Intermezzos. Das Intermezzo war leichter, lebhafter und unterhaltsamer; die Leute konnten sich so ein bisschen von der dramatische Seite der Oper erholen. Aber die Zuschauer mussten zwei verschiedene Geschichten verfolgen ! Jetzt bieten wir zum ersten Mal mehrere kurze Stücke an einem Abend. Sogar in Italien sind diese drei Intermezzi nie zusammen gespielt worden.

Le 15e jour : Welche Intermezzi sind das ?

S. M. di P. : Das erste ist Il Maestro di Cappella von Domenico Cimarosa. Il Maestro ist ein Scherz, ein Spiel. Von « “Intermezzo »” zu reden, ist ein bisschen übertrieben, denn es dauert nur zwanzig Minuten. Es wird in Italien oft gespielt, aber meistens konzertant, in einer halbszenischen Vorstellung, es wird also selten in Theatern aufgeführt. Il Maestro ist grandios. Darin werden die damaligen Kapellmeister verspottet. Ein Kapellmeister versucht, mit seinem Orchester eine bestimmte Melodie zu proben, aber die Musiker spielen immer etwas anderes. Ein wirklich außerordentliches Stück. Das zweite Intermezzo ist La Zingara von Rinaldo Da Capua. Dieser Komponist hat in Paris gelebt, mitten im Buffonistenstreit, der damals Gluck und Pergolesi trennte. La Zingara war damals bekannt und beliebt, ist später aber in Vergessenheit geraten. Es wurde vor fünfzehn Jahren wieder entdeckt, aber die Fehler und Zusätze der Neuausgabe mussten beseitigt werden, um eine möglichst authentische Fassung präsentieren zu können. Das dritte Intermezzo ist Il Giocatore von Luigi Cherubini. Ein Juwel. Alle betrachten Mozart als Genie, aber Cherubini war gerade einmal fünfzehn, als er dieses Stück geschrieben hat ! Es besteht aus drei Akten. Cherubini genoss kein großes Ansehen und hatte kein Geld für einen Librettisten. Er hat einfach das Libretto eines anderen gleichnamigen Stücks des Komponisten Orlandini genommen, um sein Intermezzo zu schreiben.

Le 15e jour : Sie kümmern sich nicht nur um die Inszenierung, sondern komischerweise auch ums Licht…

S.M. di P. : Ja. Ich versuche, das Licht der damaligen Zeit wiederzugeben. Im Jahre 1770 gab es nur Kerzen. Wir wollen versuchen, eine ähnliche Stimmung zu erreichen. Auch mit dem Bühnenbild werden wir uns am 18. Jahrhundert orientieren. Vor den großen bemalten Leinwänden und der schweren Bühnendekoration der heutigen Zeit bestand die Ausstattung aus kleinen Vorhängen, hinter denen die verschiedenen Szenen versteckt waren und die von den Schauspielern und Sängern selbst nach und nach aufgezogen wurden. Diesen Geist will ich beibehalten. Ganz ähnlich wie in der Commedia dell’arte. Es gibt nicht nur die Traviata und Rigoletto, wo alle stundenlang sterben ! Hier haben wir eher den Tonfall der Music Hall. Im täglichen Leben lache ich sehr gerne, deswegen inszeniere ich auch gerne Stücke, die unterhaltsam sind – und zwar für die ganze Familie.

 

Christelle Brüll (traduction Céline Letawe)

 

Aufführungen am 19., 23., 25. und 27. Oktober um 20 Uhr und am 21. Oktober um 15 Uhr an der Opéra Royal de Wallonie.
 
Kontakt : Reservierung Telefon 04.221.47.22,
Mail location@orw.be, Website www.orw.be